• Biologie
  • Wie werden Blutgruppen vererbt? AB0 und Rhesusfaktor

Wie werden Blutgruppen vererbt? AB0 und Rhesusfaktor

Siegbert Wegener 30. Juni 2026
Tabelle zeigt die Vererbung von Blutgruppen. Rote Tropfen markieren kompatible Spender für Empfänger.

Inhaltsverzeichnis

Ob ein Kind die Blutgruppe A, B, AB oder 0 hat, entscheidet sich nicht zufällig, sondern durch die Kombination der Erbanlagen von Mutter und Vater. Ich zeige, wie die Vererbung im AB0-System und beim Rhesusfaktor funktioniert, welche Kombinationen möglich sind und warum eine Blutgruppe allein keinen sicheren Vaterschaftsnachweis liefert.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

  • A und B sind gleichwertig und können gemeinsam zur Blutgruppe AB führen.
  • Die Blutgruppe 0 ist rezessiv und tritt nur bei der Genkombination 00 auf.
  • Menschen mit Blutgruppe A können genetisch AA oder A0 besitzen.
  • Ein Kind von Eltern mit AB und 0 hat nur A oder B, niemals AB oder 0.
  • Beim Rhesusfaktor ist Rh-positiv dominant gegenüber Rh-negativ.
  • Blutgruppen können eine Abstammung manchmal ausschließen, aber keine Vaterschaft sicher beweisen.

So funktioniert die Vererbung im AB0-System

Für die klassische Blutgruppe sind zwei Merkmale entscheidend, die ein Mensch jeweils von einem Elternteil erhält. Das zugrunde liegende Gen besitzt die Varianten A, B und 0. Dabei sind A und B kodominant, sie werden also beide sichtbar, während 0 gegenüber A und B rezessiv ist.

Das erklärt, warum die sichtbare Blutgruppe nicht immer den genauen Genotyp verrät. Eine Person mit Blutgruppe A kann die Kombination AA oder A0 tragen. Bei Blutgruppe B sind BB und B0 möglich. AB besteht ausschließlich aus AB, Blutgruppe 0 ausschließlich aus 00.

Blutgruppe Mögliche Erbanlagen Antigene auf roten Blutkörperchen
A AA oder A0 A
B BB oder B0 B
AB AB A und B
0 00 Keine A- oder B-Antigene

Die Antigene sitzen auf der Oberfläche roter Blutkörperchen. Im Blutplasma befinden sich passende Antikörper, deshalb trägt eine Person mit Blutgruppe A normalerweise Anti-B-Antikörper. Diese immunologische Gegenspieler sind der Grund, weshalb bei einer Transfusion nicht nur die Vererbung, sondern auch die Verträglichkeit genau geprüft werden muss.

Warum A und B gemeinsam sichtbar werden

Erbt ein Kind von einem Elternteil A und vom anderen B, besitzt es beide Merkmale. Es entsteht die Blutgruppe AB, weil keines der beiden Allele das andere unterdrückt. Erbt es dagegen A und 0, lautet die Blutgruppe A, da sich das dominante A-Merkmal durchsetzt.

Ich finde gerade diesen Punkt besonders anschaulich, weil er ein verbreitetes Missverständnis korrigiert. Die Blutgruppe AB ist keine Mischung im umgangssprachlichen Sinn, sondern das sichtbare Ergebnis zweier gleichzeitig ausgeprägter Erbanlagen.

Welche Blutgruppe kann ein Kind bekommen

Die Blutgruppen der Eltern erlauben oft eine gute Eingrenzung. Für eine exakte Wahrscheinlichkeit muss man allerdings wissen, ob eine Person mit A tatsächlich AA oder A0 trägt. Dasselbe gilt für Blutgruppe B. Die folgende Übersicht zeigt die möglichen Blutgruppen der Kinder, nicht immer deren genaue prozentuale Verteilung.

Blutgruppe der Eltern Mögliche Blutgruppe des Kindes Wichtige Einschränkung
0 und 0 0 Beide Eltern geben nur 0 weiter.
0 und A A oder 0 Bei AA ist nur A möglich, bei A0 auch 0.
0 und B B oder 0 Bei BB ist nur B möglich, bei B0 auch 0.
0 und AB A oder B AB und 0 sind ausgeschlossen.
A und A A oder 0 0 ist nur möglich, wenn beide Eltern A0 tragen.
B und B B oder 0 0 ist nur möglich, wenn beide Eltern B0 tragen.
A und B A, B, AB oder 0 Alle vier Gruppen sind bei A0 und B0 möglich.
A und AB A, B oder AB Blutgruppe 0 ist nicht möglich.
B und AB A, B oder AB Blutgruppe 0 ist nicht möglich.
AB und AB A, B oder AB Blutgruppe 0 ist nicht möglich.

Ein konkretes Beispiel macht die Wahrscheinlichkeiten greifbar. Tragen beide Eltern die Genkombination A0 und B0, entstehen theoretisch zu je 25 Prozent A, B, AB und 0. Bei zwei Eltern mit A0 beträgt die Wahrscheinlichkeit dagegen 75 Prozent für A und 25 Prozent für 0.

Das sind Wahrscheinlichkeiten für die einzelne Schwangerschaft, keine Verteilung über mehrere Kinder. Drei Kinder mit derselben Blutgruppe widersprechen den Mendelschen Regeln also nicht. Jede Schwangerschaft ist genetisch ein neues Ereignis.

Der Rhesusfaktor folgt einer eigenen einfachen Regel

Das Plus- oder Minuszeichen hinter der Blutgruppe beschreibt meist den Rhesusfaktor D. Ist das D-Antigen auf den roten Blutkörperchen vorhanden, spricht man von Rh-positiv. Fehlt es, lautet die Bezeichnung Rh-negativ.

Für die vereinfachte Darstellung steht D für das dominante Merkmal und d für das rezessive. Rh-positive Menschen können deshalb DD oder Dd besitzen, Rh-negative Menschen nur dd.

Rhesusstatus der Eltern Möglicher Status des Kindes
Rh-negativ und Rh-negativ Immer Rh-negativ
Rh-positiv und Rh-negativ Rh-positiv oder Rh-negativ
Rh-positiv und Rh-positiv Meist Rh-positiv, Rh-negativ ist bei Dd × Dd möglich

Sind beide Eltern Rh-negativ, kann das Kind nicht plötzlich Rh-positiv sein, weil beide nur d weitergeben. Bei zwei mischerbigen Rh-positiven Eltern, also Dd und Dd, liegt die theoretische Chance für ein Rh-negatives Kind bei 25 Prozent.

Lesen Sie auch: Doppelspalt erklärt - Warum entstehen helle und dunkle Streifen?

Warum der Rhesusfaktor in der Schwangerschaft wichtig ist

Eine Rh-negative Mutter kann ein Rh-positives Kind bekommen, wenn der Vater das D-Merkmal weitergibt. Gelangen kindliche rote Blutkörperchen in den mütterlichen Kreislauf, kann der Körper Anti-D-Antikörper bilden. Eine solche Rhesus-Sensibilisierung wird in der Schwangerschaft medizinisch überwacht und kann heute meist durch eine Anti-D-Prophylaxe verhindert werden.

Ich würde aus dem Plus- oder Minuszeichen trotzdem keine dramatische Prognose ableiten. Entscheidend sind die Bluttests, der Schwangerschaftsverlauf und die ärztliche Betreuung. Der Rhesusfaktor ist außerdem ein ganzes System mit weiteren Merkmalen wie C, c, E und e, auch wenn im Alltag vor allem D gemeint ist.

Was Blutgruppen über die Abstammung aussagen können

Die Blutgruppenvererbung kann bestimmte Kombinationen ausschließen. Haben beispielsweise beide Eltern Blutgruppe 0, kann ein Kind nach den klassischen Regeln nur Blutgruppe 0 haben. Ein Kind mit AB würde zu dieser Konstellation nicht passen.

Umgekehrt beweist eine passende Blutgruppe keine biologische Vaterschaft. Viele Menschen teilen dieselbe Blutgruppe, und mehrere genetische Kombinationen können zum gleichen sichtbaren Merkmal führen. Für einen belastbaren Abstammungsnachweis ist deshalb eine DNA-Analyse erforderlich.

Bei auffälligen Ergebnissen sollte man nicht vorschnell familiäre Schlüsse ziehen. Falsche Einträge, Verwechslungen bei älteren Unterlagen, seltene Varianten des AB0-Systems oder besondere medizinische Situationen können das Bild komplizieren. Die klassische Tabelle ist ein gutes Lernmodell, aber kein vollständiger Ersatz für eine moderne Laboruntersuchung.

Typische Denkfehler bei der Blutgruppenvererbung

  • „A ist immer AA.“ Tatsächlich kann A auch A0 sein. Ohne Genanalyse bleibt der genaue Genotyp unbekannt.
  • „AB ist eine Mischung aus A und B.“ Beide Allele werden gleichzeitig ausgeprägt, deshalb sind beide Antigene vorhanden.
  • „Rh-positiv setzt sich immer durch.“ Ein Rh-positiver Elternteil kann Dd tragen und das rezessive d weitergeben.
  • „Die Blutgruppe reicht für einen Vaterschaftstest.“ Sie kann einen biologischen Vater in einzelnen Fällen ausschließen, aber nicht sicher identifizieren.
  • „0 und O sind zwei verschiedene Blutgruppen.“ Im deutschen AB0-System steht die 0 für das Fehlen der A- und B-Antigene. International wird häufig O geschrieben.

Bei einer Bluttransfusion zählt zudem nicht nur die sichtbare Gruppe. Krankenhäuser bestimmen den AB0- und Rhesusstatus erneut und führen bei Bedarf eine Kreuzprobe durch. Dabei wird geprüft, ob das Blut von Spender und Empfänger tatsächlich miteinander verträglich ist.

Die wichtigste Grenze der Blutgruppenvererbung

Für den Biologieunterricht und eine erste familiäre Einordnung reichen die Mendelschen Regeln meist aus. Die Grundlogik lautet: A und B sind gleichwertig, 0 ist rezessiv, und beim Rhesusfaktor dominiert D über d.

Wer eine konkrete medizinische oder rechtliche Frage klären möchte, sollte sich jedoch nicht allein auf eine Blutgruppentabelle verlassen. Laborbefund, ärztliche Beratung und bei Abstammungsfragen eine DNA-Analyse liefern die verlässliche Grundlage, während die Vererbung der Blutgruppen vor allem zeigt, wie elegant genetische Information von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Ein Kind kann in dieser Kombination nur Blutgruppe A oder B bekommen. Blutgruppe AB und 0 sind ausgeschlossen, weil der AB-Elternteil entweder A oder B und der 0-Elternteil ausschließlich 0 weitergibt.

Blutgruppe A entsteht sowohl durch die Genkombination AA als auch durch A0. Bei A0 setzt sich das dominante A-Merkmal gegenüber 0 durch, obwohl das 0-Allel weitervererbt werden kann.

Das Kind kann Rh-positiv oder Rh-negativ sein. Sind beide Eltern mischerbig, also Dd, liegt die theoretische Wahrscheinlichkeit für ein Rh-negatives Kind bei 25 Prozent. Rh-negative Menschen besitzen dagegen immer die Kombination dd.

Nein. Blutgruppen können bestimmte Abstammungskombinationen ausschließen, aber eine passende Blutgruppe beweist keine biologische Vaterschaft. Für einen belastbaren Nachweis ist eine DNA-Analyse erforderlich.

Artikel bewerten

Bewertung: 0.00 Stimmenanzahl: 0

Tags

blutgruppen
rhesusfaktor
abstammung
dna-analyse
transfusionen
Autor Siegbert Wegener
Siegbert Wegener
Mein Name ist Siegbert Wegener und seit nunmehr 3 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Wissenschaft, Technik und Erfindergeist. Mich fasziniert die Art und Weise, wie bahnbrechende Ideen entstehen und wie sie durch technisches Know-how und kreativen Geist Wirklichkeit werden. Auf historische-schreibmaschinen-friedrich.de teile ich mein Wissen über die faszinierende Welt der historischen Schreibmaschinen, ihre Entwicklung und die genialen Köpfe dahinter. Dabei lege ich Wert darauf, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten und stets auf fundierten Recherchen zu basieren, um Ihnen präzise und nachvollziehbare Informationen zu liefern.

Beitrag teilen

Kommentar schreiben