Beim Anblick einer Spinne wirkt ihr Körper erstaunlich einfach, doch im Inneren arbeitet ein ausgeklügelter Kreislauf. Die kurze Antwort auf die Frage, ob Spinnen ein Herz haben, lautet ja. Ich zeige, wo dieses Organ sitzt, wie die Hämolymphe zirkuliert und warum das Spinnenherz sogar für die Bewegung der Beine wichtig ist.
Spinnen besitzen ein schlauchförmiges Herz
- Ja: Spinnen haben ein Herz, allerdings kein mehrkammeriges Herz wie Menschen.
- Lage: Das Organ liegt auf der Rückenseite des Hinterleibs.
- Kreislauf: Die Hämolymphe bewegt sich in einem offenen Kreislaufsystem.
- Atmung: Buchlungen oder Tracheen versorgen die Körperflüssigkeit mit Sauerstoff.
- Besonderheit: Der Flüssigkeitsdruck hilft vielen Spinnen, ihre Beine zu strecken.
Haben Spinnen ein Herz und wie funktioniert es?
Ja, Spinnen besitzen ein muskuläres, röhrenförmiges Herz. Es ist biologisch durchaus ein echtes Herz, arbeitet aber deutlich anders als das Organ eines Menschen. Es besteht nicht aus vier Kammern, sondern aus einem länglichen Schlauch mit Öffnungen, den sogenannten Ostien.
Der wichtigste Unterschied liegt im Kreislaufsystem. Menschen haben einen geschlossenen Blutkreislauf, in dem das Blut ständig durch Arterien, Venen und feinste Kapillaren fließt. Bei Spinnen gibt es dagegen einen offenen Kreislauf. Ihre Körperflüssigkeit wird nach dem Austritt aus den Gefäßen in Körperräumen direkt um die Organe herumgeleitet.
| Merkmal | Mensch | Spinne |
|---|---|---|
| Pumporgan | Mehrkammeriges Herz | Schlauchförmiges Herz |
| Körperflüssigkeit | Blut | Hämolymphe |
| Kreislauf | Geschlossen | Offen |
| Sauerstofftransport | Vor allem durch Hämoglobin | Unter anderem durch Hämocyanin |
Für Hausspinnen, Kreuzspinnen und Vogelspinnen trifft diese Grundbeschreibung zu. Bei sehr kleinen Spinnentieren kann das Herz allerdings stark reduziert sein. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Anpassung an einen winzigen Körper, in dem kurze Transportwege genügen.

Wo das Spinnenherz sitzt und wie es aufgebaut ist
Ein langer Schlauch im Hinterleib
Das Herz liegt bei Spinnen im Hinterleib auf der Rückenseite, also dorsal. Es befindet sich ungefähr über dem Darm und verläuft längs durch den Körper. Von außen ist es normalerweise nicht zu sehen, bei sehr hellen oder durchscheinenden Tieren können pulsierende Bewegungen jedoch erkennbar sein.
Die Ostien funktionieren wie kleine Einlassöffnungen. Wenn sich das Herz entspannt, strömt Hämolymphe aus dem umliegenden Körperraum hinein. Beim Zusammenziehen wird sie in die abgehenden Arterien gepumpt. Ein umliegender Flüssigkeitsraum, der Perikardialsinus, unterstützt diese Druck- und Saugbewegung.
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Arterien führen nach vorn
Vom vorderen Ende des Herzens zieht eine größere Arterie in den Vorderkörper, das sogenannte Prosoma. Von dort verzweigen sich kleinere Gefäße in Richtung Beine, Mundwerkzeuge und Nervensystem. Die Gefäße reichen jedoch nicht wie menschliche Kapillaren bis zu jeder einzelnen Zelle.
Genau deshalb ist die Bezeichnung Hämolymphe treffender als Blut. Sie übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig und transportiert Nährstoffe, Stoffwechselprodukte und Atemgase. In meinen Augen ist gerade diese Kombination der spannendste Unterschied zwischen einem Spinnen- und einem Wirbeltierkörper.
Wie der offene Kreislauf die Organe versorgt
Der Kreislauf lässt sich als wiederkehrender Ablauf verstehen. Das Herz nimmt sauerstoffärmere Hämolymphe aus dem Körperraum auf, pumpt sie durch die Arterien in den Vorder- und Hinterkörper und sorgt dafür, dass die Flüssigkeit anschließend wieder die Organe umspült.
- Das Herz füllt sich über die Ostien mit Hämolymphe.
- Die Muskelwand presst die Flüssigkeit in die Arterien.
- Die Hämolymphe verteilt sich in Körperräumen um die Organe.
- Über Buchlungen oder Tracheen nimmt sie wieder Sauerstoff auf.
Der Sauerstoff wird bei vielen Spinnen durch Hämocyanin transportiert. Dieses kupferhaltige Atemprotein erfüllt eine ähnliche Funktion wie das Hämoglobin im menschlichen Blut. In hoher Konzentration kann es der Hämolymphe eine bläuliche Färbung geben, weshalb Spinnen kein rotes Blut wie wir besitzen.
Die sogenannten Buchlungen liegen auf der Unterseite des Hinterleibs. Ihre vielen dünnen Lamellen erinnern an die Seiten eines Buches und vergrößern die Austauschfläche für Sauerstoff und Kohlendioxid. Andere Arten nutzen zusätzlich oder überwiegend Tracheen, also feine Luftkanäle, die Gase direkt ins Körperinnere bringen.
Warum die Hämolymphe auch die Beine bewegt
Das Herz dient nicht nur dem Transport von Sauerstoff und Nährstoffen. Der Druck der Hämolymphe hilft vielen Spinnen dabei, ihre Beine nach außen zu strecken. Die Beugung übernehmen dagegen Muskeln, die das Gelenk wieder an den Körper ziehen.
Dieses hydraulische Prinzip erklärt eine Beobachtung, die viele Menschen kennen. Stirbt eine Spinne, sinkt der Flüssigkeitsdruck im Körper, und die Beine können sich nach innen krümmen. Das bedeutet nicht, dass das Herz allein jede Bewegung steuert, sondern dass Herz, Hämolymphe, Gelenke und Muskeln eng zusammenarbeiten.
Besonders deutlich wird diese Konstruktion bei schnellen Arten und Springspinnen. Für kurze, kraftvolle Bewegungen muss der Druck im Bein rasch verändert werden. Aus meiner Sicht zeigt sich hier sehr schön, dass ein einfach gebautes Organ keineswegs eine einfache Funktion haben muss.
Welche Unterschiede es zwischen Spinnenarten gibt
Der Grundbau bleibt ähnlich, doch die konkrete Ausstattung hängt von der Art ab. Manche Spinnen besitzen vor allem Buchlungen, andere kombinieren Buchlungen mit einem leistungsfähigen Tracheensystem. Damit verändern sich auch Größe, Pulsleistung und Sauerstoffversorgung des Herzens.
Bei Vogelspinnen und anderen ursprünglicheren Spinnengruppen sind häufig zwei Paare von Buchlungen vorhanden. Viele Webspinnen aus moderneren Gruppen besitzen dagegen oft nur ein Paar Buchlungen und zusätzlich Tracheen. Diese Unterschiede helfen den Tieren, mit verschiedenen Körpergrößen, Lebensräumen und Aktivitätsmustern zurechtzukommen.
Die Antwort bleibt deshalb eindeutig, sollte aber nicht zu stark vereinfacht werden. Fast jede bekannte Spinne besitzt ein funktionelles Herz, doch kleine Arten und stark spezialisierte Formen können von diesem Grundplan abweichen. Die Natur arbeitet hier nicht mit einem einzigen Standardmodell, sondern passt die Anatomie an die jeweilige Lebensweise an.
Was beim Blick auf eine Spinne wirklich hängen bleiben sollte
Spinnen haben ein Herz, aber kein Herz im menschlichen Sinn. Ihr schlauchförmiges Organ pumpt Hämolymphe durch einen offenen Kreislauf, während Buchlungen oder Tracheen die Versorgung mit Sauerstoff ermöglichen.
Wer künftig eine Spinne beobachtet, kann deshalb auf drei Dinge achten. Der Hinterleib beherbergt das Herz, die bläuliche Hämolymphe ersetzt unser Blut nicht vollständig, übernimmt aber ähnliche Transportaufgaben, und der Flüssigkeitsdruck unterstützt sogar die Beinbewegung. Klein, anders gebaut und trotzdem erstaunlich leistungsfähig ist wohl die treffendste Kurzbeschreibung dieses Kreislaufsystems.
