Die Blutgruppe eines Kindes lässt sich oft erstaunlich gut aus den Merkmalen der Eltern ableiten. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob Mutter oder Vater die Blutgruppe 0 haben, sondern welche Allele sie tatsächlich weitergeben können. Ich zeige die wichtigsten Kombinationen, erkläre die typische Vererbung und ordne auch Sonderfälle wie den Rhesusfaktor ein.
Die wichtigsten Regeln zur Blutgruppe 0 bei Eltern
- Zwei Eltern mit Blutgruppe 0 bekommen im AB0-System grundsätzlich ein Kind mit Blutgruppe 0.
- Blutgruppe 0 entsteht nur, wenn das Kind von beiden Elternteilen ein 0-Allel erbt.
- Eine Person mit Blutgruppe A oder B kann das verborgene 0-Allel trotzdem in sich tragen.
- Hat ein Elternteil Blutgruppe AB und der andere 0, sind beim Kind A oder B, aber nicht 0 möglich.
- Der Rhesusfaktor wird unabhängig vom AB0-System vererbt.

Was die Blutgruppe 0 genetisch bedeutet
Im AB0-System besitzt jeder Mensch zwei Erbanlagen, je eine von der Mutter und vom Vater. Für die einfache Darstellung verwenden wir die Allele A, B und 0. A und B sind untereinander gleichwertig, während sich das 0-Allel gegenüber A oder B nicht sichtbar durchsetzt.
Die Blutgruppe 0 erscheint deshalb nur bei der Kombination 00. Ein Kind muss also von beiden Eltern ein 0-Allel erhalten. Hat es dagegen die Kombination A0, lautet die Blutgruppe A; bei B0 lautet sie B. Die genetische Ausstattung ist dann gemischt, obwohl im Blutbild nur A oder B erkennbar ist.
| Genotyp | Sichtbare Blutgruppe | Bedeutung |
|---|---|---|
| 00 | 0 | Beide Eltern haben ein 0-Allel weitergegeben |
| A0 oder AA | A | Mindestens ein A-Allel ist vorhanden |
| B0 oder BB | B | Mindestens ein B-Allel ist vorhanden |
| AB | AB | A und B werden gleichzeitig ausgeprägt |
Ich finde gerade diese Unterscheidung besonders wichtig, weil viele Tabellen nur die sichtbare Blutgruppe der Eltern nennen. Für eine genaue Wahrscheinlichkeit muss man bei A und B zusätzlich wissen, ob das jeweilige Elternteil ein 0-Allel verdeckt trägt.
Welche Blutgruppe ein Kind von seinen Eltern bekommen kann
Die Grundregel ist einfach: Das Kind erhält jeweils ein Allel von jedem Elternteil. Daraus ergeben sich bei den sichtbaren Blutgruppen folgende Möglichkeiten.
| Blutgruppe der Eltern | Mögliche Blutgruppe des Kindes | Blutgruppe 0 möglich? |
|---|---|---|
| 0 und 0 | 0 | Ja, zwingend |
| 0 und A | 0 oder A | Ja, wenn A0 vorliegt |
| 0 und B | 0 oder B | Ja, wenn B0 vorliegt |
| 0 und AB | A oder B | Nein |
| A und A | A oder 0 | Ja, wenn beide A0 sind |
| B und B | B oder 0 | Ja, wenn beide B0 sind |
| A und B | A, B, AB oder 0 | Ja, wenn A0 und B0 vorliegen |
| A und AB | A, B oder AB | Nein |
| B und AB | A, B oder AB | Nein |
| AB und AB | A, B oder AB | Nein |
Ein typisches Beispiel sind zwei Eltern mit A und B. Auf den ersten Blick wirkt Blutgruppe 0 beim Kind vielleicht überraschend. Sie ist aber möglich, wenn die Genotypen A0 und B0 lauten und beide genau ihr 0-Allel weitergeben.
Umgekehrt kann ein Kind mit Blutgruppe 0 nicht von einem Elternteil mit Blutgruppe AB stammen, wenn man von der gewöhnlichen AB0-Vererbung ausgeht. Menschen mit AB besitzen kein 0-Allel, das sie weiterreichen könnten.
Warum Eltern mit A oder B ein Kind mit 0 bekommen können
Die sichtbare Blutgruppe zeigt nicht immer den vollständigen Genotyp. Ein Elternteil mit A kann entweder AA oder A0 sein. Nur im zweiten Fall kann es ein 0-Allel an ein Kind weitergeben. Dasselbe gilt für Blutgruppe B mit den Varianten BB oder B0.
Bei zwei Eltern mit A hängt die Möglichkeit für Blutgruppe 0 daher von der Kombination ab. Sind beide genetisch A0, kann statistisch in etwa 25 Prozent der Fälle die Kombination 00 entstehen. Bei AA und A0 ist Blutgruppe 0 ausgeschlossen, bei AA und AA ebenfalls.
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Ein einfaches Rechenbeispiel mit A0 und B0
Stellen wir uns eine Mutter mit A0 und einen Vater mit B0 vor. Beide können entweder das sichtbare Allel oder das 0-Allel weitergeben. Theoretisch entstehen vier gleich wahrscheinliche Kombinationen.
- A und B ergibt Blutgruppe AB.
- A und 0 ergibt Blutgruppe A.
- 0 und B ergibt Blutgruppe B.
- 0 und 0 ergibt Blutgruppe 0.
Die erwartete Verteilung liegt damit bei jeweils 25 Prozent. Das ist jedoch eine Wahrscheinlichkeit für viele Geburten, keine Vorhersage für ein einzelnes Kind. Geschwister können deshalb unterschiedliche Blutgruppen haben, ohne dass daran etwas Ungewöhnliches wäre.
Der Rhesusfaktor wird separat vererbt
Die Bezeichnung „0 positiv“ oder „0 negativ“ enthält zwei Informationen. Die 0 gehört zum AB0-System, während positiv oder negativ den Rhesusfaktor D beschreibt. Beide Merkmale werden genetisch unabhängig voneinander betrachtet.
Vereinfacht gilt: Rhesus-positiv ist gegenüber Rhesus-negativ dominant. Zwei rhesusnegative Eltern geben in der klassischen Darstellung immer ein negatives Merkmal weiter. Zwei positive Eltern können dagegen ein negatives Kind bekommen, wenn beide die entsprechende Erbanlage verborgen tragen.
| Rhesusfaktor der Eltern | Möglicher Rhesusfaktor des Kindes |
|---|---|
| negativ und negativ | negativ |
| positiv und negativ | positiv oder negativ |
| positiv und positiv | positiv oder negativ |
Für eine Schwangerschaft ist vor allem die Kombination aus rhesusnegativer Mutter und rhesuspositivem Kind medizinisch relevant. Das bedeutet aber nicht, dass eine Schwangerschaft gefährdet sein muss. Die Frauenarztpraxis kontrolliert die Situation und kann mit einer Anti-D-Prophylaxe wirksam vorbeugen.
Wann die einfache Vererbungsregel nicht ausreicht
Die genannten Regeln beschreiben die häufige Vererbung des AB0-Systems. Blutgruppenuntersuchungen sind im Alltag sehr zuverlässig, doch seltene Varianten, Laborfehler oder besondere genetische Konstellationen können ein scheinbar widersprüchliches Ergebnis erklären.
Ein bekanntes Beispiel ist der sogenannte Bombay-Phänotyp. Dabei fehlen bestimmte Voraussetzungen, damit A- oder B-Merkmale auf den roten Blutkörperchen sichtbar werden. Die Person kann dadurch serologisch wie Blutgruppe 0 erscheinen, obwohl die zugrunde liegenden Erbanlagen anders aussehen.
Auch für die Abstammung ist die Blutgruppe nur ein begrenzter Hinweis. Sie kann bestimmte Eltern-Kind-Kombinationen ausschließen, aber eine Vaterschaft oder Mutterschaft nicht zuverlässig beweisen. Dafür ist ein DNA-Test das geeignete Verfahren.
Bei einer unerwarteten Blutgruppe würde ich deshalb nicht sofort persönliche oder medizinische Schlussfolgerungen ziehen. Sinnvoller ist eine Kontrollbestimmung im Labor, bei Bedarf ergänzt durch eine humangenetische Beratung.
Was bei der Einordnung der Blutgruppe wirklich zählt
Für die Frage, ob ein Kind Blutgruppe 0 haben kann, reichen meist drei Schritte. Zuerst betrachtet man das AB0-Merkmal der Eltern, danach prüft man mögliche Genotypen wie A0 oder B0 und zuletzt bewertet man den Rhesusfaktor getrennt davon.
- Blutgruppe 0 beim Kind setzt normalerweise ein 0-Allel von jedem Elternteil voraus.
- Blutgruppe AB bei einem Elternteil schließt Blutgruppe 0 beim Kind im Regelfall aus.
- Die sichtbaren Gruppen A und B verraten nicht, ob ein 0-Allel verborgen vorhanden ist.
- Der Rhesusfaktor gehört zu einer anderen genetischen Betrachtung.
Damit lässt sich die große Mehrheit der Fälle klar erklären. Entscheidend ist, die sichtbare Blutgruppe nicht mit dem vollständigen Erbgut gleichzusetzen. Genau an dieser kleinen, aber wichtigen Unterscheidung entscheidet sich, ob Blutgruppe 0 bei einem Kind möglich, wahrscheinlich oder ausgeschlossen ist.
