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Doppelspalt erklärt - Warum entstehen helle und dunkle Streifen?

Siegbert Wegener 1. Juni 2026
Bilder zeigen die Entwicklung von Interferenzen am Doppelspalt: von einzelnen Punkten zu Streifenmustern.

Inhaltsverzeichnis

Warum erscheinen hinter zwei schmalen Öffnungen helle und dunkle Streifen, obwohl Licht zunächst geradlinig läuft? Die Interferenz am Doppelspalt macht sichtbar, wie sich Wellen überlagern, und liefert zugleich ein einfaches Verfahren, um die Wellenlänge von Licht zu bestimmen. Ich erkläre den Aufbau, die entscheidenden Formeln, typische Denkfehler und den Übergang von der klassischen Wellenoptik zur Quantenphysik.

Die wichtigsten Zusammenhänge auf einen Blick

  • Helle Streifen entstehen durch konstruktive Interferenz, dunkle Streifen durch destruktive Interferenz.
  • Für helle Maxima gilt d · sin α = m · λ.
  • Der Streifenabstand wächst mit Wellenlänge und Schirmabstand, nimmt aber bei größerem Spaltabstand ab.
  • Das beobachtete Muster ist eine Kombination aus Beugung am Einzelspalt und Interferenz zwischen beiden Spalten.
  • Auch einzelne Photonen können über längere Zeit ein Interferenzmuster aufbauen.

Youngs Experiment: Sonnenlicht fällt durch schmale Spalte. Bei beiden Spalten offen zeigt sich ein Interferenzmuster am Doppelspalt, das Wellentheorie erklärt.

Wie aus zwei Öffnungen helle und dunkle Streifen entstehen

Ein Doppelspalt besteht aus zwei nahe beieinanderliegenden, schmalen Spalten. Trifft Licht gleicher Wellenlänge und möglichst fester Phasenbeziehung darauf, wird es an beiden Öffnungen gebeugt. Hinter dem Spalt treffen die beiden Teilwellen wieder zusammen und erzeugen auf dem Schirm ein regelmäßiges Muster aus hellen und dunklen Streifen.

Der Grund liegt im sogenannten Gangunterschied. Damit ist gemeint, dass eine Welle bis zu einem bestimmten Punkt auf dem Schirm einen etwas längeren Weg zurücklegt als die andere. Beträgt dieser Unterschied genau eine ganze Zahl von Wellenlängen, treffen die Wellenberge und Wellentäler passend zusammen. Die Lichtintensität steigt, und ein helles Maximum entsteht.

Für die hellen Streifen gilt:

Δs = m · λ

Dabei steht Δs für den Gangunterschied, λ für die Wellenlänge und m für die Interferenzordnung mit den Werten 0, 1, 2 und so weiter. Beim zentralen Maximum ist m = 0. Dort sind die Wege von beiden Spalten gleich lang.

Ein dunkler Streifen entsteht, wenn eine Welle um eine halbe Wellenlänge oder um ein ungeradzahliges Vielfaches davon verschoben ist. Dann trifft ein Wellenberg auf ein Wellental. Die Schwingungen löschen sich weitgehend aus.

Für die dunklen Minima lautet die Bedingung:

Δs = (m + 1/2) · λ

In meinen Erklärungen hilft ein einfaches Bild besonders gut. Man kann sich die beiden Spalte zunächst wie zwei gleichartige Sender vorstellen. Je nach Richtung zum Schirm kommen ihre Wellen dort im Gleich- oder im Gegentakt an. Genau dieses Wechselspiel erzeugt die Streifen.

Der Versuchsaufbau und die Rolle der Kohärenz

Der klassische Aufbau braucht nur drei wesentliche Elemente: eine Lichtquelle, eine Blende mit zwei Spalten und einen Schirm. Für ein gut sichtbares Ergebnis kommt es aber auf die Auswahl der Lichtquelle und auf die Geometrie an. Laserlicht ist deshalb beliebt, weil es nahezu monochromatisch und räumlich kohärent ist.

Kohärenz bedeutet, dass die Wellen eine stabile Phasenbeziehung zueinander besitzen. Ohne diese Ordnung verschieben sich die einzelnen Muster ständig gegeneinander und überlagern sich zu einem gleichmäßigeren Lichtfleck. Ein gewöhnliches weißes Licht erzeugt zwar ebenfalls Interferenz, aber jede Farbe besitzt ein eigenes Muster, sodass die Streifen schnell verwaschen erscheinen.

Praktisch funktioniert der Aufbau am zuverlässigsten unter diesen Bedingungen:

  • Die Spaltbreite ist klein gegenüber dem Abstand zwischen Quelle und Doppelspalt.
  • Der Spaltabstand liegt in der Größenordnung mehrerer Wellenlängen.
  • Der Schirm steht weit genug entfernt, damit die Streifen räumlich getrennt sichtbar werden.
  • Die Lichtquelle beleuchtet beide Spalte möglichst gleichmäßig.

Ein wichtiger Punkt wird häufig übersehen. Der Doppelspalt erzeugt nicht nur Interferenz zwischen zwei Spalten. Jeder einzelne Spalt beugt das Licht bereits auf. Deshalb liegen die schmalen Interferenzstreifen innerhalb einer breiteren Beugungshülle. Nach außen werden die Maxima schwächer, und manche können vollständig fehlen.

Deckt man einen Spalt ab, verschwinden die eng stehenden Interferenzstreifen. Übrig bleibt das breitere Beugungsbild eines Einzelspalts. Dieser Vergleich ist im Unterricht besonders aufschlussreich, weil er zeigt, welche Beobachtung welchem physikalischen Prozess zugeordnet werden muss.

So berechnest du Maxima und Streifenabstand

Für einen Spaltabstand d und einen Beobachtungswinkel α ergibt sich der Gangunterschied aus der Geometrie:

Δs = d · sin α

Setzt man diese Beziehung in die Bedingung für helle Streifen ein, erhält man:

d · sin α = m · λ

Das ist die zentrale Gleichung des Versuchs. Der Winkel des m-ten Maximums hängt also von der Wellenlänge und vom Abstand der Spaltmitten ab. Für große Schirmabstände und kleine Winkel darf man näherungsweise sin α durch tan α und anschließend durch y/L ersetzen. Dann gilt:

ym ≈ m · λ · L / d

Hier ist ym der Abstand des Maximums m-ter Ordnung vom zentralen Maximum und L der Abstand zwischen Doppelspalt und Schirm. Der Abstand zweier benachbarter heller Streifen beträgt damit näherungsweise:

Δy ≈ λ · L / d

Ein Zahlenbeispiel mit rotem Laserlicht

Angenommen, ein Laser besitzt eine Wellenlänge von 633 nm, der Spaltabstand beträgt 0,25 mm und der Schirm steht 2,0 m entfernt. Dann ergibt sich:

Δy = (633 nm · 2,0 m) / 0,25 mm ≈ 5,1 mm

Die hellen Streifen liegen also ungefähr 5,1 mm auseinander. Mit bloßem Auge ist das gut erkennbar. Für eine präzise Messung würde ich nicht nur einen Streifen auswerten, sondern den Abstand zwischen mehreren Maxima messen und durch die entsprechende Ordnungszahl teilen. Das verringert den Einfluss von Ablesefehlern.

Welche Größe verändert was

Veränderung Auswirkung auf das Muster
Größere Wellenlänge λ Die Interferenzstreifen liegen weiter auseinander.
Größerer Schirmabstand L Das Muster wird räumlich breiter.
Größerer Spaltabstand d Die Streifen rücken enger zusammen.
Breitere Einzelspalte Die Beugungshülle wird schmaler, sodass weniger Interferenzmaxima sichtbar sind.

Für die genaue Auswertung sollte man die Winkelformel verwenden, wenn die Streifen weit außen liegen. Die Näherung Δy ≈ λL/d funktioniert vor allem dann gut, wenn y deutlich kleiner als L ist. Die Formel ist also praktisch, aber nicht grenzenlos genau.

Typische Fehler beim Deuten des Doppelspaltbildes

Der häufigste Fehler besteht darin, Beugung und Interferenz als dasselbe zu behandeln. Beugung beschreibt die seitliche Ausbreitung an einer Öffnung oder Kante. Interferenz beschreibt dagegen die Überlagerung mehrerer kohärenter Wellen. Beim Doppelspalt treten beide Effekte gleichzeitig auf, aber sie erklären unterschiedliche Teile des Schirmbildes.

Ebenso irreführend ist die Vorstellung, das Licht bilde hinter jedem Spalt einfach zwei scharf begrenzte Lichtstrahlen. Tatsächlich breitet sich das Licht hinter den schmalen Öffnungen in viele Richtungen aus. Das Strahlenmodell ist für die Herleitung von Δs nützlich, bleibt aber eine geometrische Näherung.

Ein weiterer Denkfehler betrifft die Helligkeit. Ein dunkler Streifen bedeutet nicht, dass dort keine Lichtwellen vorhanden sind. Dort treffen weiterhin Beiträge von beiden Spalten ein, sie löschen sich durch ihre Phasenlage jedoch nahezu aus. Schon kleine Unterschiede in Spaltbreite, Ausrichtung oder Beleuchtung können deshalb die Dunkelstellen weniger deutlich machen.

Auch der Spaltabstand wird gelegentlich falsch interpretiert. In den Formeln ist d normalerweise der Abstand der Spaltmitten, nicht die Breite eines Spalts und auch nicht der freie Zwischenraum zwischen den Kanten. Wer diese Größen verwechselt, erhält selbst bei sauberer Messung eine falsche Wellenlänge.

Bei weißem Licht kommt ein zusätzlicher Effekt hinzu. Rotes Licht besitzt eine größere Wellenlänge als blaues Licht und erzeugt deshalb größere Streifenabstände. In der Mitte können sich die Farben noch überlagern, weiter außen wird das Muster farbig und zunehmend unscharf.

Warum der Versuch für die Quantenphysik so wichtig ist

Historisch zeigte Thomas Young um 1802 mit dem Doppelspalt, dass sich Licht wie eine Welle verhält. Das war eine wichtige Korrektur zur damaligen Vorstellung, Licht bestehe ausschließlich aus kleinen Teilchen. Später wurde der gleiche Grundaufbau mit Elektronen, Neutronen, Atomen und sogar größeren Molekülen untersucht.

Besonders verblüffend ist das Ergebnis bei einzelnen Photonen. Werden sie nacheinander auf den Doppelspalt geschickt, trifft jedes einzelne Photon zwar als punktförmiges Ereignis auf dem Detektor ein. Nach vielen Wiederholungen wächst daraus jedoch dasselbe Interferenzmuster wie bei intensivem Licht.

Das bedeutet nicht, dass ein Photon sich im klassischen Sinn in zwei kleine Lichtteilchen teilt. Die Quantenmechanik beschreibt vielmehr Wahrscheinlichkeitsamplituden für die möglichen Wege. Solange keine Information darüber verfügbar ist, durch welchen Spalt das Photon gegangen ist, können sich diese Amplituden interferieren.

Wird dagegen der Weg eindeutig festgestellt, verschwindet das typische Streifenmuster. Die Möglichkeit, Weginformation zu gewinnen, verändert also die beobachtbare Verteilung. Genau hier wird der Doppelspalt vom anschaulichen Optikexperiment zu einem der klarsten Zugänge zur Komplementarität von Teilchen- und Welleneigenschaften.

Ich halte diesen historischen Übergang für den eigentlichen Reiz des Versuchs. Mit einer einfachen Metallblende beginnt man bei einer gut sichtbaren Streifenstruktur und landet bei einer Frage, die bis heute zum Kern unseres Verständnisses von Materie und Licht gehört.

Was vom Doppelspalt im Gedächtnis bleiben sollte

Das Schirmbild lässt sich auf einen kurzen Zusammenhang bringen. Zwei kohärente Teilwellen überlagern sich, ihr Gangunterschied entscheidet über hell oder dunkel, und die Beugung an den einzelnen Spalten begrenzt die sichtbare Breite des gesamten Musters.

Für eine gute Messung zählen vor allem bekannte Geometrie, saubere Ausrichtung und mehrere ausgewertete Streifen. Wer zusätzlich zwischen Einzelspaltbeugung und Doppelspaltinterferenz unterscheidet, versteht nicht nur die Formel, sondern auch das Bild dahinter.

Gerade deshalb ist der Doppelspalt mehr als ein historisches Schulversuch. Er verbindet Erfindergeist, präzise Messpraxis und moderne Quantenphysik in einem Aufbau, der trotz seiner Einfachheit zeigt, wie tief grundlegende Naturgesetze reichen.

Häufig gestellte Fragen

Für kleine Winkel gilt näherungsweise Δy ≈ λ · L / d. Bei 633 nm Wellenlänge, 2,0 m Schirmabstand und 0,25 mm Spaltabstand beträgt der Streifenabstand etwa 5,1 mm.

Beugung beschreibt die seitliche Ausbreitung des Lichts an jedem einzelnen Spalt. Interferenz entsteht durch die Überlagerung der beiden gebeugten Teilwellen. Das sichtbare Muster besteht deshalb aus schmalen Interferenzstreifen innerhalb einer breiteren Beugungshülle.

Laserlicht ist nahezu monochromatisch und räumlich kohärent. Dadurch besitzen die Wellen eine stabile Phasenbeziehung und erzeugen ein deutliches Muster. Bei weißem Licht überlagern sich die Muster verschiedener Farben und wirken außerhalb der Mitte schnell verwaschen.

Ein einzelnes Photon trifft zwar als punktförmiges Ereignis auf den Detektor, doch viele Wiederholungen bauen dasselbe Interferenzmuster auf. Die Quantenmechanik beschreibt dabei Wahrscheinlichkeitsamplituden für die möglichen Wege. Wird die Weginformation eindeutig festgestellt, verschwindet das typische Streifenmuster.

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Autor Siegbert Wegener
Siegbert Wegener
Mein Name ist Siegbert Wegener und seit nunmehr 3 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Wissenschaft, Technik und Erfindergeist. Mich fasziniert die Art und Weise, wie bahnbrechende Ideen entstehen und wie sie durch technisches Know-how und kreativen Geist Wirklichkeit werden. Auf historische-schreibmaschinen-friedrich.de teile ich mein Wissen über die faszinierende Welt der historischen Schreibmaschinen, ihre Entwicklung und die genialen Köpfe dahinter. Dabei lege ich Wert darauf, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten und stets auf fundierten Recherchen zu basieren, um Ihnen präzise und nachvollziehbare Informationen zu liefern.

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Kommentare

3
MA

marlies_koeln

omg das ist ja voll krass mit dem doppelspalt-experiment 🤯 ich hab das in der schule nie so ganz gecheckt aber jetzt mit der erklärung hier ergibt das voll sinn warum da helle und dunkle streifen entstehen nwm warum das so komplex ist aber voll faszinierend wie wellen und teilchen sich da verhalten das ist echt mindblowing irgendwie 😵‍💫 muss das meinen freunden erzählen die fanden physik auch immer weird lol voll gut erklärt! 👍

Siegbert Wegener
Siegbert WegenerAutor

Super, cieszę się, że mogłem pomóc! 😊

ZU

ZukunftsMensch

Das ist ja wirklich faszinierend wie das alles funktioniert und man denkt ja immer man weiß schon alles über Physik aber dann kommt wieder so ein Artikel und erklärt das mit den hellen und dunklen Streifen so anschaulich das ist schon beeindruckend und ich hab mich immer gefragt wie das genau zustande kommt und jetzt ist es viel klarer.

Siegbert Wegener
Siegbert WegenerAutor

Cieszę się, że mogłem pomóc :)

IM

Immanuel

Sehr gut erklärt!

Siegbert Wegener
Siegbert WegenerAutor

Dziękuję!