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Logarithmus ableiten - Regeln, Beispiele und typische Fehler

Siegbert Wegener 8. Juli 2026
Graphen von f(x) = loge(x) und seiner Ableitung f'(x) = 1/x. Die Ableitung des Logarithmus ist hier visualisiert.

Inhaltsverzeichnis

Sobald in einer Aufgabe ln(x), loga(x) oder ein Logarithmus mit innerem Term auftaucht, entscheidet meist eine kleine Regel über das richtige Ergebnis. Ich zeige die grundlegende Ableitung, erkläre den Unterschied zwischen natürlichem Logarithmus und beliebiger Basis und rechne typische Beispiele mit Ketten-, Produkt- und Quotientenregel durch. Dabei geht es auch um den Definitionsbereich und die Fehler, die in Klausuren besonders häufig auftreten.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

  • Natürlicher Logarithmus: Die Ableitung von ln(x) lautet 1/x für x > 0.
  • Beliebige Basis: Für loga(x) gilt 1/(x · ln(a)), wobei a > 0 und a ≠ 1 sein muss.
  • Kettenregel: Bei ln(g(x)) wird durch g(x) geteilt und zusätzlich g′(x) multipliziert.
  • Definitionsbereich: Das Argument des Logarithmus muss bei reellen Funktionen strikt positiv sein.
  • Kontrolle: Vor dem Ableiten prüfe ich zuerst den inneren Term und danach das Vorzeichen des Ergebnisses.

Die Grundregel für ln und Logarithmen

Der natürliche Logarithmus wird mit ln(x) geschrieben und hat die besondere Basis e ≈ 2,71828. Seine Ableitung ist besonders schlicht:

f(x) = ln(x)
f′(x) = 1/x

Das Ergebnis gilt nur für x > 0, denn der reelle Logarithmus ist für null und negative Zahlen nicht definiert. Die Funktion steigt zwar überall an, wird aber mit wachsendem x immer flacher. Genau das sieht man an 1/x: Für große x wird die Steigung klein.

Bei einer anderen zulässigen Basis a hilft die Umrechnungsformel ln(x) / ln(a). Daraus folgt:

f(x) = loga(x)
f′(x) = 1 / (x · ln(a))

Funktion Ableitung Bedingung
ln(x) 1/x x > 0
loga(x) 1/(x · ln(a)) a > 0, a ≠ 1, x > 0
ln(c · x) 1/x c · x > 0

Ein häufiger Denkfehler ist, bei log10(x) ebenfalls einfach 1/x zu schreiben. Das stimmt nur beim natürlichen Logarithmus. Für den Zehnerlogarithmus lautet die Ableitung korrekt 1/(x · ln(10)).

Die Kettenregel macht aus ln(g(x)) eine sichere Routine

Steht im Logarithmus nicht x, sondern ein anderer Term, brauche ich die Kettenregel. Für f(x) = ln(g(x)) gilt:

f′(x) = g′(x) / g(x)

Ich gehe dabei immer in zwei Schritten vor. Zuerst identifiziere ich den inneren Term g(x), danach bilde ich seine Ableitung. Diese Reihenfolge verhindert, dass der Faktor g′(x) vergessen wird.

Lineares Argument

Gegeben sei f(x) = ln(3x + 2). Der innere Term lautet g(x) = 3x + 2 und hat die Ableitung g′(x) = 3. Deshalb ergibt sich:

f′(x) = 3/(3x + 2)

Der Definitionsbereich folgt aus 3x + 2 > 0, also x > -2/3. Ich schreibe diese Bedingung bewusst neben die Rechnung, weil ein formal richtig abgeleiteter Term sonst trotzdem außerhalb seines reellen Definitionsbereichs verwendet werden könnte.

Quadratisches Argument

Bei f(x) = ln(x2 + 1) ist g(x) = x2 + 1 und g′(x) = 2x. Damit gilt:

f′(x) = 2x/(x2 + 1)

Hier ist der Logarithmus für jedes reelle x definiert, weil x2 + 1 immer größer als null ist. Das Beispiel ist nützlich, weil es zeigt, dass der innere Term nicht einfach stehen bleiben darf und dass der Definitionsbereich nicht immer auf positive x beschränkt sein muss.

Negatives Argument und Betrag

Die Funktion f(x) = ln(-x) ist für x < 0 definiert. Mit der Kettenregel folgt:

f′(x) = (-1)/(-x) = 1/x

Allgemeiner gilt für den natürlichen Logarithmus des Betrags:

f(x) = ln|x|
f′(x) = 1/x für x ≠ 0

Der Betrag erweitert den Definitionsbereich auf positive und negative x, aber nicht auf x = 0. Dort bleibt der Logarithmus nicht definiert.

Produkte, Quotienten und Logarithmusgesetze richtig verbinden

Ein Logarithmus in einem Produkt oder Quotienten wird nicht automatisch mit einer einzigen Sonderregel abgeleitet. Ich wende zuerst die passende allgemeine Ableitungsregel an und vereinfache erst danach. Das ist meist übersichtlicher und führt seltener zu Vorzeichenfehlern.

Produktregel

Für f(x) = x · ln(x) gilt mit der Produktregel:

f′(x) = 1 · ln(x) + x · 1/x = ln(x) + 1

Der entscheidende Punkt ist, dass beide Faktoren abgeleitet werden. Wer nur ln(x) durch 1/x ersetzt, übersieht den Beitrag der Ableitung von x.

Quotientenregel

Bei f(x) = ln(x)/x kann ich die Quotientenregel verwenden:

f′(x) = [x · 1/x - ln(x) · 1]/x2

Nach dem Kürzen lautet das Ergebnis:

f′(x) = [1 - ln(x)]/x2

Alternativ lässt sich der Term als ln(x) · x-1 schreiben und mit der Produktregel ableiten. Beide Wege sind korrekt. Ich bevorzuge bei einfachen Quotienten die Umformung, weil die Potenzregel oft weniger Schreibaufwand verursacht.

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Logarithmusgesetze als Vereinfachung

Manchmal wird die Rechnung deutlich kürzer, wenn ich vor dem Ableiten ein Logarithmusgesetz nutze. Aus ln(x2) wird für x ≠ 0 beispielsweise 2 ln|x|. Die Ableitung ist dann 2/x.

Ohne diese Umformung liefert die Kettenregel ebenfalls das Ergebnis:

d/dx ln(x2) = 2x/x2 = 2/x

Die Umformung darf aber nicht den Definitionsbereich verändern. Für reelle x ist ln(x2) nur für x ≠ 0 definiert, nicht für x = 0.

Was die Ableitung über den Graphen verrät

[search_image]Graph natürliche Logarithmusfunktion mit Tangente und Steigung 1 durch x

Die Ableitung ist nicht nur ein Rechenergebnis, sondern beschreibt die Steigung des Graphen. Bei f(x) = ln(x) ist sie für alle x > 0 positiv, daher steigt die Funktion überall. Weil 1/x mit zunehmendem x sinkt, wird der Graph nach rechts immer flacher.

Am Punkt x = 1 beträgt die Steigung 1. Am Punkt x = 10 ist sie nur noch 0,1. Diese Zahlen machen anschaulich, warum logarithmische Skalen große Veränderungen komprimieren: Der Funktionswert wächst weiter, aber jeder zusätzliche Zuwachs bei x wirkt sich weniger stark auf die Steigung aus.

Für loga(x) entscheidet außerdem die Basis über die Richtung. Ist a > 1, dann ist ln(a) positiv und die Funktion steigt. Liegt 0 < a < 1, ist ln(a) negativ, deshalb fällt die Funktion.

Basis Verhalten Vorzeichen der Ableitung
a > 1 streng wachsend positiv
0 < a < 1 streng fallend negativ

Diese Sichtweise hilft bei einer Kurvendiskussion. Gibt die Ableitung beispielsweise 2/x an, weiß ich sofort, dass die Funktion auf ihrem gesamten Definitionsbereich steigt, solange x positiv ist.

Logarithmisches Differenzieren bei komplizierten Funktionen

Bei Funktionen wie f(x) = xx stehen Variable zugleich in Basis und Exponent. Die üblichen Potenzregeln reichen dann nicht direkt aus. Ich logarithmiere zunächst beide Seiten:

ln(f(x)) = ln(xx) = x · ln(x)

Nun leite ich implizit ab. Links entsteht f′(x)/f(x), rechts liefert die Produktregel ln(x) + 1:

f′(x)/f(x) = ln(x) + 1

Durch Multiplikation mit f(x) folgt:

f′(x) = xx · [ln(x) + 1]

Diese Methode heißt logarithmisches Differenzieren. Sie lohnt sich besonders bei Produkten vieler Faktoren, variablen Exponenten und Ausdrücken, die sich durch Logarithmusgesetze deutlich vereinfachen lassen.

Die häufigsten Fehler beim Ableiten

Die meisten falschen Ergebnisse entstehen nicht durch schwierige Mathematik, sondern durch das Überspringen eines kleinen Prüfschritts. Ich kontrolliere deshalb vor der eigentlichen Ableitung immer den Term im Logarithmus und die verwendete Basis.

  • Definitionsbereich vergessen: Aus ln(x - 4) folgt x > 4.
  • Kettenregel ausgelassen: Bei ln(5x) lautet die Ableitung 5/(5x) und nicht nur 1/(5x).
  • Basis verwechselt: Bei log10(x) fehlt der Faktor 1/ln(10), wenn man einfach 1/x schreibt.
  • Produktregel ignoriert: Bei x · ln(x) müssen beide Faktoren berücksichtigt werden.
  • Null eingesetzt: ln(0) und 1/0 sind nicht definiert.

Ein schneller Plausibilitätstest ist ebenfalls hilfreich. Bei ln(g(x)) muss die Ableitung den Faktor g′(x)/g(x) enthalten. Fehlt dieser Quotient, ist die Rechnung fast sicher unvollständig.

Eine kurze Kontrollroutine für jede Aufgabe

Für Standardaufgaben reichen meist vier Schritte. Zuerst bestimme ich den Definitionsbereich, dann markiere ich den inneren Term. Danach wende ich die passende Regel an und vereinfache erst zum Schluss.

  1. Setze das Argument des Logarithmus größer als null.
  2. Prüfe, ob eine andere Basis als e verwendet wird.
  3. Leite den inneren Term mit der Kettenregel ab.
  4. Kontrolliere Vorzeichen, Nenner und ausgeschlossene Stellen.

Wer diese Reihenfolge konsequent nutzt, braucht keine lange Formelsammlung. Die zentrale Idee bleibt immer dieselbe: Außen entsteht der Kehrwert des Arguments, innen kommt dessen Ableitung hinzu. So wird aus der Ableitung des Logarithmus eine verlässliche Rechenroutine statt einer Sammlung einzelner Sonderfälle.

Häufig gestellte Fragen

Für ln(x) gilt f′(x) = 1/x mit x > 0. Für log_a(x) lautet die Ableitung 1/(x · ln(a)); dabei muss a > 0, a ≠ 1 und x > 0 gelten.

Bei ln(g(x)) gilt die Kettenregel f′(x) = g′(x)/g(x). Zum Beispiel ergibt ln(3x + 2) die Ableitung 3/(3x + 2) und ist nur für x > -2/3 definiert.

Für x · ln(x) gilt mit der Produktregel f′(x) = ln(x) + 1. Bei ln(x)/x liefert die Quotientenregel f′(x) = [1 - ln(x)]/x².

Die Methode eignet sich, wenn die Variable zugleich in Basis und Exponent steht. Aus ln(x^x) = x · ln(x) folgt durch implizites Ableiten f′(x) = x^x · [ln(x) + 1] für x > 0.

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Autor Siegbert Wegener
Siegbert Wegener
Mein Name ist Siegbert Wegener und seit nunmehr 3 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Wissenschaft, Technik und Erfindergeist. Mich fasziniert die Art und Weise, wie bahnbrechende Ideen entstehen und wie sie durch technisches Know-how und kreativen Geist Wirklichkeit werden. Auf historische-schreibmaschinen-friedrich.de teile ich mein Wissen über die faszinierende Welt der historischen Schreibmaschinen, ihre Entwicklung und die genialen Köpfe dahinter. Dabei lege ich Wert darauf, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten und stets auf fundierten Recherchen zu basieren, um Ihnen präzise und nachvollziehbare Informationen zu liefern.

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