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Sattelpunkt bestimmen - Ableitungen sicher prüfen

Elmar Klose 13. Mai 2026
Die Funktion f(x) = x³ wird diskutiert. Der Sattelpunkt bei (0|0) wird berechnet, indem die Bedingungen f'(x_s) = 0 und f''(x_s) = 0 erfüllt sind.

Inhaltsverzeichnis

Eine Kurve kann an einer Stelle waagerecht verlaufen und trotzdem weder einen Hochpunkt noch einen Tiefpunkt besitzen. Genau hier liegt der typische Sattelpunkt. Ich zeige, wie man ihn mit Ableitungen sicher bestimmt, die notwendige Bedingung prüft, einen echten Wendepunkt nachweist und typische Fehlentscheidungen vermeidet.

Mit diesen Schritten lässt sich jeder Sattelpunkt sicher bestimmen

  • Waagerechte Tangente: Am Sattelpunkt gilt f′(x0) = 0.
  • Wendestelle: Zusätzlich muss sich das Krümmungsverhalten ändern.
  • Prüfung: Häufig reicht f‴(x0) ≠ 0 als hinreichende Bedingung.
  • Punktkoordinate: Die y-Koordinate entsteht erst durch y0 = f(x0).
  • Typischer Fehler: f′(x0) = 0 und f″(x0) = 0 allein beweisen noch keinen Sattelpunkt.

Was ein Sattelpunkt mathematisch bedeutet

Ein Sattelpunkt ist ein Wendepunkt mit waagerechter Tangente. Der Graph ändert dort seine Krümmung, steigt oder fällt aber weiter. Anders als bei einem Hoch- oder Tiefpunkt wechselt die Funktion also nicht einfach von steigend zu fallend oder umgekehrt.

Bei einer Funktion einer Variablen schreibt man den Sattelpunkt meist als S(x0 | y0). Die erste Ableitung beschreibt die Steigung, die zweite Ableitung das Krümmungsverhalten. Deshalb müssen an der gesuchten Stelle zwei Dinge zusammenkommen:

Bedingung Bedeutung
f′(x0) = 0 Die Tangente ist waagerecht.
f″(x0) = 0 Die Stelle kommt als Wendestelle infrage.
Vorzeichenwechsel von f″ Das Krümmungsverhalten ändert sich tatsächlich.

Die Gleichungen f′(x0) = 0 und f″(x0) = 0 liefern zunächst nur einen möglichen Kandidaten. In meinen Rechnungen behandle ich diesen Punkt deshalb nie sofort als Lösung. Erst die zusätzliche Wendepunktprüfung macht das Ergebnis belastbar.

Eine Parabel und eine Gerade schneiden sich. Der markierte Punkt bei x=-1 ist der Scheitelpunkt, der zum Sattelpunkt berechnen dient.

So gehe ich beim Berechnen Schritt für Schritt vor

Für das Berechnen eines Sattelpunktes arbeite ich mit einem festen Ablauf. Er verhindert, dass man die y-Koordinate vergisst oder eine gewöhnliche Extremstelle vorschnell als Sattelpunkt bezeichnet.

  1. Erste Ableitung bilden: Berechne f′(x).
  2. Waagerechte Tangenten suchen: Löse f′(x) = 0.
  3. Zweite Ableitung bilden: Berechne f″(x).
  4. Wendestellen prüfen: Setze die gefundenen x-Werte in f″ ein oder untersuche einen Vorzeichenwechsel.
  5. Sattelpunkt nachweisen: Prüfe, ob die Stelle tatsächlich ein Wendepunkt mit f′(x0) = 0 ist.
  6. y-Koordinate berechnen: Setze x0 in die ursprüngliche Funktion ein.

Als schnelle hinreichende Prüfung eignet sich oft die dritte Ableitung. Gilt f‴(x0) ≠ 0, liegt an der Stelle sicher ein Wendepunkt vor. Zusammen mit f′(x0) = 0 ist damit der Sattelpunkt nachgewiesen.

Diese Abkürzung funktioniert nicht immer. Bei Funktionen wie x5 ist die dritte Ableitung an der fraglichen Stelle ebenfalls null, obwohl ein Sattelpunkt vorliegt. Dann prüfe ich direkt, ob f″ links und rechts von x0 unterschiedliche Vorzeichen besitzt.

Ein vollständiges Beispiel mit einer verschobenen Kubik

Betrachten wir die Funktion f(x) = (x - 1)3 + 2. Die Verschiebung macht das Beispiel besonders nützlich, weil der Sattelpunkt nicht im Ursprung liegt und sich dadurch die vollständige Vorgehensweise gut erkennen lässt.

Die Ableitungen bestimmen

Die erste Ableitung lautet f′(x) = 3(x - 1)2. Für eine waagerechte Tangente setzen wir sie gleich null:

3(x - 1)2 = 0

Daraus folgt x0 = 1. Die zweite Ableitung ist f″(x) = 6(x - 1). An der Stelle x0 ergibt sich ebenfalls f″(1) = 0. Der Kandidat erfüllt damit beide notwendigen Bedingungen.

Den Wendepunkt nachweisen

Die dritte Ableitung lautet f‴(x) = 6. Weil f‴(1) = 6 ≠ 0, ist x = 1 tatsächlich eine Wendestelle. Da dort gleichzeitig die Tangentensteigung null ist, handelt es sich um einen Sattelpunkt.

Lesen Sie auch: Ganzrationale Funktionen zeichnen in fünf klaren Schritten

Die Koordinaten berechnen

Jetzt fehlt nur noch der Funktionswert:

f(1) = (1 - 1)3 + 2 = 2

Der gesuchte Punkt lautet also S(1 | 2). Am Graphen sieht man, dass die Kurve dort waagerecht ist, aber ihren Anstieg nicht aufgibt. Genau dieses Verhalten unterscheidet den Sattelpunkt vom Tief- oder Hochpunkt.

Warum zwei verschwindende Ableitungen noch nicht genügen

Ein häufiger Fehler entsteht bei der Funktion f(x) = x4. Hier gilt f′(x) = 4x3 und f″(x) = 12x2. Bei x = 0 verschwinden beide Ableitungen, trotzdem liegt kein Sattelpunkt vor.

Der Grund ist einfach: Die Funktion besitzt bei x = 0 einen Tiefpunkt. Die zweite Ableitung ist links und rechts von null nicht negativ, also findet kein Wechsel der Krümmung statt. f″(x0) = 0 ist nur eine notwendige, keine hinreichende Bedingung.

Auch der Test mit der dritten Ableitung sollte korrekt verstanden werden. f‴(x0) ≠ 0 beweist einen Wendepunkt, aber f‴(x0) = 0 widerlegt ihn nicht automatisch. Bei x5 muss man beispielsweise den Vorzeichenwechsel von f″ untersuchen.

Funktion Ergebnis bei x = 0 Begründung
f(x) = x3 Sattelpunkt Waagerechte Tangente und Krümmungswechsel
f(x) = x4 Kein Sattelpunkt Tiefpunkt ohne Krümmungswechsel
f(x) = x5 Sattelpunkt Krümmungswechsel, obwohl f‴(0) = 0

Diese Gegenbeispiele sind mehr als reine Rechenübung. Sie zeigen, warum ich bei einer Kurvendiskussion immer zwischen Kandidaten und nachgewiesenen Punkten unterscheide.

Mit Rechner oder CAS prüfen ohne blind zu vertrauen

Ein Grafikrechner, GeoGebra oder ein Computer-Algebra-System kann Ableitungen und Nullstellen schnell liefern. Für komplizierte Terme ist das praktisch, doch die Software entscheidet nicht zuverlässig, ob eine Stelle ein echter Sattelpunkt oder nur ein stationärer Punkt ist.

Ich nutze digitale Werkzeuge deshalb vor allem zur Kontrolle. Der entscheidende Nachweis bleibt die mathematische Begründung mit f′(x0) = 0 und einem bestätigten Wendepunkt. Außerdem sollte man bei numerischen Näherungen auf Rundungsfehler achten, besonders wenn die dritte Ableitung sehr klein ist.

Bei einer ganzrationalen Funktion gibt es oft einen besonders kurzen Weg. Man bestimmt zuerst die Nullstellen von f″, prüft danach, ob an einer dieser Stellen auch f′ verschwindet, und berechnet zuletzt den Funktionswert. Diese Reihenfolge spart Arbeit, weil nur echte Wendestellen als Sattelpunkte infrage kommen.

Der sichere Kontrollblick auf den fertigen Punkt

Am Ende sollte nicht nur ein Koordinatenpaar dastehen. Ich kontrolliere drei Fragen: Ist die Tangente waagerecht, ändert sich die Krümmung, und wurde der y-Wert aus der ursprünglichen Funktion berechnet?

  • Steigung: f′(x0) muss null sein.
  • Krümmung: f″ muss an der Stelle das Vorzeichen wechseln oder eine andere hinreichende Wendepunktbedingung erfüllen.
  • Koordinaten: Der Punkt lautet S(x0 | f(x0)), nicht nur x0.

Wer diese drei Kontrollen sauber durchführt, kann einen Sattelpunkt zuverlässig bestimmen und zugleich Hochpunkte, Tiefpunkte und gewöhnliche Wendepunkte voneinander unterscheiden. Genau diese kurze Prüfung macht aus einer plausiblen Rechnung einen nachvollziehbaren mathematischen Nachweis.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Diese Gleichungen liefern nur einen möglichen Kandidaten. Erst ein nachgewiesener Krümmungswechsel, zum Beispiel durch einen Vorzeichenwechsel von f″, bestätigt den Wendepunkt und damit den Sattelpunkt.

Gilt f‴(x₀) ≠ 0 und zusätzlich f′(x₀) = 0, liegt sicher ein Sattelpunkt vor. Ist f‴(x₀) = 0, ist ein Sattelpunkt jedoch nicht automatisch ausgeschlossen. Bei f(x) = x⁵ muss stattdessen der Vorzeichenwechsel von f″ untersucht werden.

Am Sattelpunkt ist die Tangente waagerecht, aber die Funktion steigt oder fällt weiter und wechselt ihre Krümmung. Bei f(x) = x⁴ liegt bei x = 0 trotz f′(0) = 0 und f″(0) = 0 ein Tiefpunkt vor, weil kein Krümmungswechsel stattfindet.

Zuerst wird aus f′(x) = 0 die x-Koordinate bestimmt und der Wendepunkt nachgewiesen. Danach berechnet man y₀ mit der ursprünglichen Funktion y₀ = f(x₀). Für f(x) = (x - 1)³ + 2 ergibt sich beispielsweise S(1 | 2).

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Autor Elmar Klose
Elmar Klose
Mein Name ist Elmar Klose und ich beschäftige mich seit 3 Jahren intensiv mit den Themen Wissenschaft, Technik und Erfindergeist. Meine Faszination für die Art und Weise, wie Ideen entstehen und die Welt verändern, hat mich dazu gebracht, mich auf historische Entwicklungen in diesen Bereichen zu konzentrieren. Hier auf historische-schreibmaschinen-friedrich.de teile ich mein Wissen über bahnbrechende Erfindungen und die Genies dahinter. Dabei lege ich Wert darauf, komplexe Zusammenhänge verständlich aufzubereiten und gut recherchierte Informationen zu präsentieren, damit Sie die faszinierende Welt der Technik und des wissenschaftlichen Fortschritts besser verstehen können.

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