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Innere Atmung erklärt - so gewinnt die Zelle Energie

Hans Georg Schäfer 15. August 2026
Schema der inneren Atmung: Kohlenhydrate werden zu Glucose, dann Glykolyse zu Brenztraubensäure. Anaerober Abbau führt zu Ethanol oder Milchsäure. Aerober Abbau über Zitronensäurezyklus und Atmungskette zu CO₂ + H₂O.

Inhaltsverzeichnis

Nach einer Treppe spüren wir den Energiebedarf des Körpers sofort, obwohl die eigentliche Arbeit unsichtbar in Milliarden von Zellen abläuft. Mit der inneren Atmung ist die Zellatmung gemeint, bei der Nährstoffe schrittweise abgebaut und in nutzbare Energie umgewandelt werden. Ich zeige, wie dieser Prozess funktioniert, warum Sauerstoff dabei eine besondere Rolle spielt und worin der Unterschied zur äußeren Atmung liegt.

Die wichtigsten Fakten zur Energiegewinnung in der Zelle

  • Zellatmung wandelt die Energie aus Glucose und anderen Nährstoffen in ATP um.
  • Glykolyse, Pyruvatoxidation, Citratzyklus und Atmungskette bilden die zentralen Schritte.
  • Die Glykolyse findet im Zellplasma statt, die meisten weiteren Schritte im Mitochondrium.
  • Aus einem Molekül Glucose entstehen unter günstigen Bedingungen etwa 30 bis 32 ATP.
  • Sauerstoff dient am Ende der Atmungskette als Elektronenakzeptor und wird zu Wasser reduziert.

Was mit innerer Atmung gemeint ist

In der Biologie hat der Begriff Atmung zwei Ebenen. Die äußere Atmung beschreibt den Gasaustausch mit der Umwelt und den Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid. Die innere Atmung läuft dagegen auf der Ebene der Zellen ab und bezeichnet die biochemische Energiegewinnung aus Nährstoffen.

Bereich Was geschieht? Typischer Ort
Äußere Atmung Sauerstoff gelangt in den Körper, Kohlendioxid verlässt ihn. Lunge, Kiemen oder Haut
Transport Gase werden zwischen Atemorganen, Blut und Gewebe befördert. Blutgefäße und Körperflüssigkeiten
Zellatmung Nährstoffe werden abgebaut und ihre Energie in ATP gespeichert. Zellplasma und Mitochondrien

Beide Ebenen hängen eng zusammen, sind aber nicht dasselbe. Sauerstoff aus der Lunge nutzt dem Körper erst dann, wenn er die Zellen erreicht und dort in der Atmungskette eingesetzt wird. Genau diese Unterscheidung wird meiner Erfahrung nach besonders häufig übersehen.

Im engeren physiologischen Sprachgebrauch kann „innere Atmung“ gelegentlich auch den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen Blut und Gewebezellen meinen. Im schulischen und biochemischen Zusammenhang ist damit jedoch meist die Zellatmung als Energiegewinnungsprozess gemeint, und auf diese Bedeutung konzentriert sich der folgende Abschnitt.

Schema der inneren Atmung in einer Zelle: Nahrung und Sauerstoff werden zu ATP, CO2 und Wasser umgewandelt.

So läuft die Zellatmung Schritt für Schritt ab

Die vollständige aerobe Zellatmung ist keine einzelne Reaktion, sondern eine Kette vieler kontrollierter Teilschritte. Das hat einen wichtigen Vorteil: Die Energie der Glucose wird nicht auf einmal als Wärme frei, sondern nach und nach in ATP überführt. ATP, kurz für Adenosintriphosphat, ist der direkt nutzbare Energieträger der Zelle.

Die Glykolyse findet im Zellplasma statt

Am Anfang steht die Glykolyse. Dabei wird ein Molekül Glucose mit sechs Kohlenstoffatomen in zwei Pyruvatmoleküle mit jeweils drei Kohlenstoffatomen zerlegt. Die Zelle investiert zunächst Energie, gewinnt im Verlauf aber netto 2 ATP und bildet außerdem NADH, einen Elektronenträger für spätere Reaktionen.

Die Glykolyse benötigt selbst keinen Sauerstoff. Deshalb kann sie auch dann kurzfristig weiterlaufen, wenn die Sauerstoffversorgung bei intensiver Muskelarbeit nicht ausreicht. Ohne nachgeschaltete Prozesse bleibt ihre Energieausbeute allerdings gering.

Pyruvat wird für den Citratzyklus vorbereitet

Unter aeroben Bedingungen gelangt Pyruvat in die Mitochondrien. Dort wird es in einer Übergangsreaktion zu Acetyl-CoA umgebaut. Dabei wird Kohlendioxid abgespalten und weiteres NADH erzeugt.

Acetyl-CoA ist kein Endprodukt, sondern ein Eintrittsmolekül in den nächsten Stoffwechselabschnitt. Diese Verbindung ist wichtig, weil nicht nur Glucose, sondern auch Abbauprodukte von Fettsäuren und Aminosäuren in den zentralen Energiestoffwechsel einfließen können.

Der Citratzyklus lädt die Elektronenträger auf

Im Citratzyklus wird der Acetylrest vollständig weiter abgebaut. Pro Glucose, aus der zwei Acetyl-CoA entstehen, bildet der Zyklus insgesamt 4 Kohlendioxid, 6 NADH, 2 FADH2 und direkt etwa 2 ATP beziehungsweise GTP. GTP ist ein energiereiches Molekül, das in diesem Zusammenhang funktionell ähnlich wie ATP genutzt werden kann.

Der Citratzyklus liefert also nur einen kleinen Teil des ATP direkt. Seine eigentliche Bedeutung liegt darin, viele Elektronen auf NADH und FADH2 zu übertragen. Diese Elektronenträger versorgen anschließend die Atmungskette mit Energie.

Die Atmungskette erzeugt den größten Teil des ATP

Die Atmungskette sitzt in der inneren Membran der Mitochondrien. NADH und FADH2 geben dort Elektronen an mehrere Proteinkomplexe ab. Die frei werdende Energie pumpt Protonen in den Intermembranraum und erzeugt dadurch ein elektrochemisches Gefälle.

Anschließend strömen die Protonen durch die ATP-Synthase zurück in die Mitochondrienmatrix. Dieses Enzym arbeitet ähnlich wie eine molekulare Turbine und bildet aus ADP und Phosphat neues ATP. Am Ende nimmt Sauerstoff die Elektronen auf und verbindet sich mit Protonen zu Wasser.

Die Reaktionsgleichung und die tatsächliche ATP-Ausbeute

Die vereinfachte Gesamtgleichung der aeroben Zellatmung lautet:

C6H12O6 + 6 O2 → 6 CO2 + 6 H2O + Energie

Diese Gleichung ist nützlich, zeigt aber nicht, wie kompliziert der Weg dazwischen ist. Sie fasst viele Einzelschritte zusammen, bei denen Glucose oxidiert und Sauerstoff reduziert wird. Eine Oxidation bedeutet hier vereinfacht die Abgabe von Elektronen, eine Reduktion deren Aufnahme.

Moderne biologische Darstellungen rechnen bei einer Glucose unter günstigen Bedingungen meist mit etwa 30 bis 32 ATP. Ältere Schulmaterialien nennen teilweise 36 oder 38 ATP. Die Abweichung entsteht unter anderem dadurch, wie Elektronen aus der Glykolyse in die Mitochondrien eingeschleust werden und wie viel Energie beim Transport und bei der Aufrechterhaltung der Membranverhältnisse verloren geht.

Abschnitt Direkter Beitrag pro Glucose Besondere Funktion
Glykolyse 2 ATP Glucose wird zu Pyruvat abgebaut
Pyruvatoxidation Kein direktes ATP Bildung von Acetyl-CoA und NADH
Citratzyklus 2 ATP oder GTP Bildung von CO2, NADH und FADH2
Atmungskette Etwa 26 bis 28 ATP Oxidative Phosphorylierung und Wasserbildung

Für das Verständnis ist deshalb weniger die scheinbar exakte Endzahl entscheidend als die Größenordnung. Der größte Teil des ATP entsteht in der Atmungskette, nicht in der Glykolyse. Wer diesen Punkt verstanden hat, kann viele Abbildungen und Prüfungsaufgaben zur Zellatmung bereits deutlich leichter einordnen.

Warum Sauerstoff so wichtig ist

Sauerstoff liefert der Zelle nicht direkt Energie. Seine Aufgabe besteht darin, am Ende der Elektronentransportkette als letzter Elektronenakzeptor zu dienen. Ohne diese Abnahme der Elektronen würden NADH und FADH2 nicht ausreichend zu NAD+ und FAD zurückgebildet, und zentrale Stoffwechselwege kämen zum Stillstand.

Der Sauerstoffverbrauch beginnt also nicht bei der Glykolyse, sondern erst in der Atmungskette. Das erklärt, warum die Glykolyse kurzfristig auch ohne Sauerstoff möglich ist, die vollständige aerobe Energiegewinnung aber nicht.

Was bei Sauerstoffmangel passiert

Bei hoher Belastung kann die Sauerstoffzufuhr vorübergehend hinter dem Energiebedarf zurückbleiben. Dann wandeln Muskelzellen Pyruvat teilweise in Lactat um. Dadurch wird NAD+ zurückgewonnen, sodass die Glykolyse kurz weiterlaufen kann, allerdings mit lediglich 2 ATP pro Glucose.

Lactat ist dabei nicht einfach ein nutzloses Abfallprodukt. Es kann später wieder abgebaut oder in anderen Geweben als Brennstoff verwendet werden. Die Vorstellung, Lactat allein sei für jeden Muskelkater verantwortlich, gilt jedoch als zu einfach.

Aerobe Zellatmung und anaerobe Energiegewinnung im Vergleich

Im Unterricht werden die Begriffe aerobe und anaerobe Atmung manchmal großzügig verwendet. Biochemisch sollte man genauer unterscheiden. Eine aerobe Zellatmung nutzt Sauerstoff als finalen Elektronenakzeptor, während manche Mikroorganismen bei anaerober Atmung andere Akzeptoren wie Nitrat oder Sulfat einsetzen.

Die Milchsäuregärung in menschlichen Muskeln ist streng genommen keine anaerobe Atmung, sondern eine Gärung. Sie verwendet keine Elektronentransportkette mit einem externen finalen Akzeptor. Für die Grundidee reicht aber die Unterscheidung, dass ohne Sauerstoff deutlich weniger Energie aus Glucose gewonnen wird.

Merkmal Aerobe Zellatmung Gärung ohne Sauerstoff
Sauerstoff Wird am Ende der Atmungskette benötigt Wird nicht verwendet
Ort Zellplasma und Mitochondrien Vor allem Zellplasma
ATP-Ausbeute Etwa 30 bis 32 ATP pro Glucose Netto 2 ATP pro Glucose
Produkte Kohlendioxid und Wasser Je nach Organismus Lactat oder Ethanol und Kohlendioxid
Stärke Hohe Energieausbeute Schnell verfügbar, aber ineffizient

Hefezellen zeigen den Unterschied besonders anschaulich. Bei ausreichend Sauerstoff nutzen sie überwiegend die aerobe Zellatmung. Unter Sauerstoffmangel gewinnen sie Energie durch alkoholische Gärung und bilden Ethanol und Kohlendioxid, was beim Backen und Bierbrauen praktisch genutzt wird.

Welche Faktoren den Prozess beeinflussen

Die Geschwindigkeit der Zellatmung hängt davon ab, wie viel Sauerstoff und Substrat verfügbar sind und wie hoch der Energiebedarf der Zelle ist. Auch Temperatur, pH-Wert, Enzymaktivität und der Zustand der Mitochondrien spielen eine Rolle. Bei einer kurzen sportlichen Belastung steigt der ATP-Umsatz beispielsweise stark an, während der Körper gleichzeitig die Sauerstoffzufuhr hochfährt.

Mehr Glucose bedeutet allerdings nicht automatisch mehr nutzbare Energie. Stoffwechselwege sind reguliert und werden an den Bedarf angepasst. Ein Überschuss kann gespeichert, in andere Stoffe umgebaut oder bei fehlendem Bedarf nicht vollständig oxidiert werden.

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Typische Denkfehler

  • Atmen und Zellatmung sind nicht identisch. Einatmen bringt Sauerstoff in den Körper, die Zellatmung nutzt ihn in den Zellen.
  • Die Glykolyse ist nicht der gesamte Prozess. Sie bildet nur den ersten Abschnitt und liefert vergleichsweise wenig ATP.
  • Sauerstoff wird nicht zu Kohlendioxid. Der Kohlenstoff aus der Glucose erscheint überwiegend als CO2; der Sauerstoff wird am Ende zu Wasser reduziert.
  • Mitochondrien sind nicht der einzige Ort. Die Glykolyse beginnt im Zellplasma, bevor Pyruvat in die Mitochondrien gelangt.
  • Die ATP-Zahl ist kein unveränderlicher Festwert. Je nach Zelltyp und Berechnung liegt die Ausbeute ungefähr bei 30 bis 32 ATP.

Beim Lernen rate ich dazu, zuerst die drei Fragen „Wo findet der Schritt statt?“, „Was entsteht?“ und „Wozu wird das Produkt gebraucht?“ zu beantworten. Dieses einfache Raster ist oft hilfreicher als das Auswendiglernen jedes einzelnen Zwischenmoleküls.

Was von der Zellatmung im Gedächtnis bleiben sollte

Die Zellatmung ist ein fein abgestimmtes Energiesystem. Glucose wird nicht explosionsartig verbrannt, sondern über mehrere Stationen abgebaut, wobei Elektronenträger die Energie zur Atmungskette bringen und die ATP-Synthase daraus den universellen Energieträger ATP herstellt.

Die wichtigste Merkkette lautet Glykolyse, Pyruvatoxidation, Citratzyklus und Atmungskette. Sauerstoff wird am Ende zu Wasser, Kohlenstoff aus der Glucose zu Kohlendioxid, und der größte Anteil der nutzbaren Energie entsteht an der inneren Mitochondrienmembran.

Häufig gestellte Fragen

Die äußere Atmung beschreibt den Gasaustausch mit der Umwelt sowie den Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid. Die innere Atmung beziehungsweise Zellatmung findet in den Zellen statt und wandelt Nährstoffenergie in ATP um.

Die Glykolyse läuft im Zellplasma ab und zerlegt Glucose in zwei Pyruvatmoleküle. Pyruvatoxidation und Citratzyklus finden in den Mitochondrien statt, während die Atmungskette an deren innerer Membran den größten Teil des ATP erzeugt.

Unter günstigen Bedingungen entstehen aus einem Molekül Glucose etwa 30 bis 32 ATP. Davon liefert die Glykolyse netto 2 ATP, der Citratzyklus etwa 2 ATP oder GTP und die Atmungskette ungefähr 26 bis 28 ATP.

Sauerstoff dient am Ende der Atmungskette als letzter Elektronenakzeptor und wird zusammen mit Protonen zu Wasser. Die Glykolyse kann zwar kurzfristig ohne Sauerstoff ablaufen, liefert dann aber nur 2 ATP pro Glucose; bei menschlichen Muskeln kann dabei Lactat entstehen.

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Autor Hans Georg Schäfer
Hans Georg Schäfer
Mein Name ist Hans Georg Schäfer, und ich bringe 5 Jahre Erfahrung in die Arbeit auf historische-schreibmaschinen-friedrich.de ein. Meine Faszination für Wissenschaft, Technik und den Erfindergeist hat mich schon früh gepackt. Ich liebe es, die oft komplexen Zusammenhänge hinter technischen Innovationen zu durchdringen und sie so aufzubereiten, dass sie für jeden verständlich werden. Bei meiner Arbeit lege ich großen Wert darauf, Informationen sorgfältig zu recherchieren und zu vergleichen, um eine fundierte und nachvollziehbare Darstellung zu gewährleisten. Mein Ziel ist es, Ihnen stets nützliche, korrekte und aktuelle Einblicke in die Welt der historischen Schreibmaschinen und die dahinterstehenden Genies zu vermitteln.

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