Warum wird aus einem Abschnitt der DNA kein Protein direkt, sondern zunächst eine RNA-Kopie? Die DNA-Transkription beantwortet genau diese Frage: Ich zeige, wie die RNA-Polymerase ein Gen erkennt, welchen DNA-Strang sie abliest und wie aus der ersten Kopie eine nutzbare mRNA entsteht. Dazu ordne ich die drei Prozessphasen ein, erkläre wichtige Unterschiede zwischen Bakterien und Eukaryoten und räume mit typischen Lernfehlern auf.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Transkription bedeutet, dass die Information eines DNA-Abschnitts in RNA umgeschrieben wird.
- Die RNA-Polymerase liest den Vorlagenstrang der DNA in Richtung 3' nach 5' und bildet RNA in Richtung 5' nach 3'.
- Der Ablauf besteht aus Initiation, Elongation und Termination.
- Bei Eukaryoten wird die Vorläufer-mRNA durch 5'-Cap, Poly-A-Schwanz und Spleißen verarbeitet.
- Die Transkription liefert RNA, während die anschließende Translation daraus ein Protein bildet.
Was bei der Transkription tatsächlich kopiert wird
Bei diesem Vorgang wird nicht das gesamte Erbgut abgeschrieben. Die Zelle öffnet nur den DNA-Bereich, der zu einem bestimmten Gen gehört, und erstellt davon eine einzelsträngige RNA-Kopie. Diese Kopie dient häufig als mRNA, also als Boten-RNA, die später die Information für den Aufbau eines Proteins zum Ribosom bringt.
Die DNA besitzt die Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. In der RNA steht anstelle von Thymin Uracil. Deshalb paart sich Adenin bei der RNA-Bildung mit Uracil, während Guanin weiterhin mit Cytosin verbunden wird.
Vorlagenstrang und codierender Strang
Nur einer der beiden DNA-Stränge wird für ein bestimmtes Gen direkt abgelesen. Er heißt Vorlagenstrang oder codogener Strang. Der gegenüberliegende codierende Strang besitzt fast dieselbe Basenfolge wie die entstehende RNA, allerdings steht in der DNA ein T und in der RNA ein U.
| Strang | Beispielhafte Basenfolge | Richtung |
|---|---|---|
| Vorlagenstrang der DNA | TAC GGA CTT | 3' nach 5' |
| mRNA | AUG CCU GAA | 5' nach 3' |
| Codierender DNA-Strang | ATG CCT GAA | 5' nach 3' |
Dieses kleine Beispiel zeigt, warum die Richtungen so wichtig sind. Die RNA-Polymerase kann neue RNA-Nukleotide nur am 3'-Ende des wachsenden Strangs anfügen. Wer die Leserichtung und die Syntheserichtung vertauscht, erhält fast zwangsläufig eine falsche Sequenz.

Der Ablauf in drei klaren Phasen
Ich merke mir den Prozess am einfachsten als eine kontrollierte Abschrift eines einzelnen Gens. Die RNA-Polymerase öffnet die DNA lokal, setzt passende RNA-Bausteine zusammen und löst sich am Ende wieder. Fachlich wird dieser Ablauf in Initiation, Elongation und Termination gegliedert.
Initiation am Promotor
Am Anfang steht der Promotor. Das ist ein spezieller DNA-Abschnitt vor dem eigentlichen Gen, an dem die Transkriptionsmaschinerie ansetzt. Bei Bakterien kann die RNA-Polymerase mithilfe eines Sigma-Faktors passende Promotorsequenzen erkennen; bei Eukaryoten helfen meist mehrere Transkriptionsfaktoren dabei, die Polymerase korrekt zu positionieren.
Nach der Bindung wird ein kurzer Bereich des DNA-Doppelstrangs entwunden. Es entsteht eine sogenannte Transkriptionsblase. Nur in diesem kleinen geöffneten Abschnitt liegen die Basen des Vorlagenstrangs frei genug, damit die RNA-Polymerase mit der Synthese beginnen kann.
Elongation beim Aufbau der RNA
Während der Elongation bewegt sich die RNA-Polymerase am Vorlagenstrang entlang. Sie liest die DNA in 3'-nach-5'-Richtung und fügt komplementäre RNA-Nukleotide in 5'-nach-3'-Richtung zusammen. Hinter dem Enzym schließt sich die DNA wieder zu einem Doppelstrang.
Die Polymerase benötigt dafür keinen fertigen Primer wie die DNA-Polymerase bei der DNA-Replikation. Das ist ein wichtiger Unterschied, der in Schulaufgaben oft übersehen wird. Die neue RNA wächst direkt aus den angelagerten Ribonukleotiden, wobei Phosphodiesterbindungen das Rückgrat des Strangs bilden.
Termination am Ende des Gens
Am Ende befindet sich eine Terminationssequenz oder ein entsprechendes Stoppsignal. Sobald die RNA-Polymerase diesen Bereich erreicht, endet die Abschrift. Die RNA wird freigesetzt, die Polymerase löst sich und der DNA-Abschnitt nimmt wieder seine ursprüngliche Doppelhelixstruktur an.
Bei Bakterien können unterschiedliche Terminationsmechanismen beteiligt sein. Bei Eukaryoten wird das Ende einer mRNA häufig durch ein Signal für die spätere Polyadenylierung markiert. Das bedeutet, dass das Ende des fertigen RNA-Moleküls nicht einfach mit dem letzten DNA-Baustein gleichzusetzen ist.
Warum die erste RNA-Kopie noch nicht fertig ist
Bei Eukaryoten entsteht zunächst meist eine prä-mRNA. Sie enthält neben den später genutzten Exons auch Introns, die nicht in die endgültige Protein-Bauanleitung eingehen. Bevor die mRNA den Zellkern verlassen kann, wird sie deshalb verarbeitet.
Die drei wichtigsten Verarbeitungsschritte
- 5'-Cap: Am Anfang der RNA wird eine spezielle Struktur angefügt. Sie schützt die mRNA und hilft später bei der Erkennung durch das Ribosom.
- Spleißen: Introns werden entfernt und Exons miteinander verbunden. Beim alternativen Spleißen können verschiedene mRNA-Varianten aus demselben Gen entstehen.
- Poly-A-Schwanz: Am 3'-Ende wird eine Folge vieler Adenin-Bausteine angefügt. Sie beeinflusst unter anderem Stabilität, Transport und Lebensdauer der mRNA.
Gerade das alternative Spleißen erklärt, warum ein Gen nicht zwingend nur ein einziges Protein hervorbringen muss. Die Zelle kann bestimmte Exons einbeziehen oder auslassen und dadurch unterschiedliche Proteinvarianten herstellen. Diese Regulation ist biologisch sehr leistungsfähig, aber sie macht einfache Darstellungen der Proteinbiosynthese oft zu grob.
Bei Bakterien fällt diese Nachbearbeitung meist deutlich kürzer aus. Da ihnen ein Zellkern fehlt, kann ein Ribosom bereits an eine noch entstehende mRNA binden. Bei Eukaryoten liegen Transkription im Zellkern und Translation im Cytoplasma dagegen räumlich getrennt.
Was Bakterien und Eukaryoten unterschiedlich machen
Das Grundprinzip ist in beiden Zelltypen gleich: Eine RNA-Polymerase liest einen DNA-Abschnitt und bildet eine komplementäre RNA. Die Unterschiede liegen vor allem in der Organisation, der Zahl der beteiligten Proteine und der Verarbeitung des Transkripts.
| Merkmal | Bakterien | Eukaryoten |
|---|---|---|
| Ort der Transkription | Cytoplasma beziehungsweise Nukleoid | Zellkern |
| RNA-Polymerasen | Vor allem eine Hauptpolymerase mit Hilfsfaktoren | Mehrere Polymerasen, unter anderem RNA-Polymerase I, II und III |
| RNA-Verarbeitung | Meist gering oder direkt an die Synthese gekoppelt | Cap, Spleißen und Poly-A-Schwanz bei vielen mRNAs |
| Beziehung zur Translation | Transkription und Translation können gleichzeitig ablaufen | Translation beginnt meist erst nach dem Transport der mRNA aus dem Zellkern |
Die RNA-Polymerase II der Eukaryoten ist besonders wichtig für proteincodierende Gene. RNA-Polymerase I bildet vor allem große ribosomale RNA-Vorläufer, während RNA-Polymerase III unter anderem tRNA und bestimmte rRNA herstellt. Damit wird klar, dass Transkription nicht automatisch mRNA bedeutet: Auch tRNA, rRNA und regulatorische RNAs entstehen auf diesem Weg.
Wie die Zelle entscheidet, welches Gen abgelesen wird
Eine Zelle besitzt dieselbe DNA in fast allen Körperzellen, nutzt aber nicht überall dieselben Gene. Eine Nervenzelle und eine Muskelzelle unterscheiden sich deshalb nicht hauptsächlich durch ihr Erbgut, sondern durch die unterschiedliche Genexpression. Transkriptionsfaktoren bestimmen mit, ob eine Polymerase Zugang zu einem Gen erhält und wie häufig die Abschrift startet.
Ein starker Promotor erleichtert häufige Transkriptionsstarts, während hemmende Proteine oder eine dicht gepackte DNA den Zugriff erschweren können. Auch Enhancer spielen eine Rolle. Das sind regulatorische DNA-Abschnitte, die die Aktivität eines Gens erhöhen können, selbst wenn sie nicht direkt neben dem Promotor liegen.
Bei der Regulation wirken außerdem epigenetische Mechanismen mit. Dazu gehören etwa DNA-Methylierung und Veränderungen an Histonproteinen, um die sich die DNA wickelt. Ich halte diesen Punkt für besonders wichtig, weil er eine verbreitete Vereinfachung korrigiert: Gene sind nicht einfach dauerhaft an oder aus, sondern werden je nach Zelltyp, Entwicklungsphase und Signal unterschiedlich stark abgelesen.
Die häufigsten Denkfehler beim Lernen
Transkription ist nicht Translation
Die Transkription überträgt DNA-Information in RNA. Die Translation übersetzt anschließend die Basenfolge der mRNA mithilfe eines Ribosoms in eine Aminosäurekette. Wer beide Schritte vermischt, verwechselt also nicht nur zwei Begriffe, sondern zwei verschiedene molekulare Maschinen.
Die DNA wird nicht dauerhaft auseinandergerissen
Die Doppelhelix öffnet sich nur in einem begrenzten Bereich. Hinter der RNA-Polymerase paart sich die DNA wieder. Es entsteht daher keine dauerhafte Einzelstrang-DNA, sondern eine vorübergehende Transkriptionsblase.
Der codierende Strang wird nicht direkt gelesen
Abgelesen wird der Vorlagenstrang. Der codierende Strang hilft trotzdem beim Vergleich, weil seine Basenfolge der mRNA fast entspricht. Der einzige direkte Unterschied im Beispiel ist normalerweise T in der DNA gegenüber U in der RNA.
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Nicht jede RNA wird zu einem Protein
mRNA trägt die Information für die Proteinsynthese, doch rRNA bildet einen Bestandteil der Ribosomen und tRNA bringt Aminosäuren zum Ribosom. Daneben gibt es weitere RNA-Arten, die Gene regulieren oder bei der Verarbeitung anderer RNA-Moleküle helfen. Die pauschale Aussage „RNA ist nur eine Zwischenkopie“ greift deshalb zu kurz.
Was beim Lernen über Transkription wirklich hängen bleiben sollte
Für eine sichere Erklärung reichen zunächst vier Leitfragen. Wo beginnt der Prozess? Am Promotor. Welches Enzym arbeitet dort? Die RNA-Polymerase. Welcher Strang wird gelesen? Der Vorlagenstrang. Was entsteht? Ein RNA-Molekül, das je nach Gen mRNA, tRNA, rRNA oder eine andere funktionelle RNA sein kann.
Meine wichtigste Lernregel lautet, die Richtungen immer mitzuschreiben. Der Vorlagenstrang wird 3' nach 5' gelesen, die RNA wächst 5' nach 3'. Wer dazu noch die Basenpaarung A-U und G-C beherrscht und Transkription klar von Translation trennt, hat das Fundament des gesamten Ablaufs bereits verstanden.
